Projektarbeit

Bangladesch – ein Land der Gegensätze

Bevölkerung in Bangladesch

Bevölkerung

Bangladesch ist der acht bevölkerungsreichste Staat der Welt und wird wahrscheinlich ab 2021 zu den „middle-inocme-countries“ (Klassifikation der Vereinten Nationen) zählen. Ein hohes jährliches Wirtschaftswachstum von über 5% seit über 10 Jahren ermöglichen es dem Land wohl in den nächsten Jahren die Gruppe der „low-income-countries“ zu verlassen. Abgesehen davon, dass die ärmeren Schichten wohl kaum von diesem Wirtschaftswachstum profitieren, zeigen die folgenden Zahlen* etliche Herausforderungen für die bangladeschische Bevölkerung.

* Zahlen aus Fischer Weltalmanach 2018

Bevölkerung_DT
Bevölkerung in Deutschland
Bevölkerung_BG
Bevölkerung in Bangladesch

Die Bevölkerungsstruktur:

Alter

Die Bevölkerungsstruktur (Alterspyramide) zeigt, dass Bangladesch sich deutlich verändert hat. Während 1957 die Pyramide die charakteristische Form eines „Entwicklungslandes“ mit hohen Geburten- und Sterberaten aufwies, zeigt sich heute eine „Bienenkorbform“, die durch eher niedrige Geburten- und Sterberaten entsteht. Im Vergleich zeigt sich in Deutschland die charakteristische Urnenform, die durch hohe Lebenserwartung und Geburten unter dem Ersetzungsniveau entsteht.

Grafik_Alter_57
Bevölkerungsstruktur 1957
Grafik_Alter
Bevölkerungsstruktur 2017

Land und Fakten:

Bangladesch liegt in Südasien. Ein Geflecht von ungefähr 240 Flüssen mit einer Gesamtlänge aus ca. 24.000 km durchzieht das Land. Es ist flaches Schwemmland, das Deltagebiet von zwei großen Strömen Südasiens, dem Ganges (Padma) aus Nordindien und dem Brahmaputra (Jamuna) aus dem Hochland Tibets. Dass sie während der Regenzeit über die Ufer treten, ist wichtig für die Bewässerung der Felder. Allerdings kommt es auch immer wieder zu katastrophalen Überschwemmungen. 

Bangladesch ist ein mehrheitlich muslimisches Land, in dem auch ca. 10% Hindus und kleine christliche sowie buddhistische Minderheiten leben. Bengalisch gehört zu den zehn meistgesprochenen Muttersprachen der Welt. Ungefähr 30% der Bevölkerung verdienen weniger als einen US-Dollar pro Tag. Das Hauptnahrungsmittel in Bangladesch ist Reis. Ein Kilo kostet (Stand: 2018) umgerechnet ca. 35 Cent. Die Textilwirtschaft ist einer der wichtigsten Industriezweige für Bangladesch geworden. Auch in Deutschland gibt es viele Kleidungsstücke „Made in Bangladesh“. Von dem Geld, das wir für ein T-Shirt ausgeben, wird aber oft nur 1% an die bengalischen Näher und Näherinnen gezahlt. 

Politik

Der Staat Bangladesch etablierte sich 1971 durch einen dramatischen Befreiungskrieg von Pakistan. Bangladesch ist eine parlamentarische Republik mit einem vom Parlament gewählten Regierungschef (Premierminister) und ebenfalls vom Parlament gewählten Staatsoberhaupt (Präsident). Das politische Geschehen wird vom Machtkampf der beiden Parteien Awami Liga und Bangladesh Nationalist Party (BNP) geprägt. Sheikh Hasina Wajed, Anführerin der Awami Liga ist seit 2009 Premierministerin. Bei den Wahlen 2014 rief die BNP zum Boykott auf und ist seitdem nicht mehr im Parlament vertreten. 

Nicht die konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Regierung und der Opposition, sondern destruktive Mittel wie Korruptionsvorwürfe, Anschuldigungen und gewaltsame Demonstrationen scheinen den politischen Alltag und v.a. Wahlkämpfe zu beherrschen. Nach dem Demokratie-Index von The Economist prägen in Bangladesch demokratische und autoritative Elemente die Staatsform. Sehr polarisierend war die Etablierung des „Internationalen Kriegsverbrechertribunals“, das Kriegsverbrechen während des Bürgerkriegs 1971 verurteilen soll. Einerseits werden hier Todesurteile ausgesprochen und auch verhängt, andererseits werden ausschließlich Personen der ehemaligen Opposition verurteilt.

Menschenrechte

menschenrechte
Fest zum Weltfrauentag, organisiert von unserer Partnerorganisation ASSB.

Grundsätzlich bekennt sich der bangladeschische Staat zur Einhaltung der Menschenrechte, aber die Realität ist eher bedrückend. Minderheiten, Landlosen und vielen Frauen werden grundlegende Rechte nicht gewährt. Übergriffe gegen Buddhisten, Christen, Hindus werden selten geahndet. Besonders in den Chittagong Hill Tracts, im Süden des Landes kommt es zu vielen Übergriffen. 

Immer wieder gibt es unrechtmäßige Landnahmen (land grabbing) oder Menschen werden entführt bzw. sterben bei der Verhaftung. Gewerkschaften existieren, werden aber auch oft drangsaliert. Bangladesch wird von Freedom House als „partiell frei“ eingestuft – die Presse und Journalist*innen werden sehr stark eingeschränkt. 

Klimawandel

Naturkatastrophe
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Zyklone und Überschwemmungen sind Naturereignisse, die in Bangladesch häufig vorkommen.
Zyklone und Überschwemmungen sind Naturereignisse, die in Bangladesch häufig vorkommen.

Durch die Lage in einem Flussdelta, der hohen Armutsrate und die gravierende Abhängigkeit von der Landwirtschaft ist Bangladesch in der Tat sehr anfällig für Auswirkungen des Klimawandels. Eine wahrscheinliche Zunahme von Überschwemmungen, Dürren, Starkniederschlägen, Flusserosion, Zyklonen und stärkeren Wirbelstürmen werden das Leben der Menschen wohl sehr belasten. Studien schätzen pauschal, dass die Armut in Bangladesch bis 2030 um 15% steigen wird. Ein Naturereignis allein ist nicht gleich eine Katastrophe, sondern es kommt stark auf die Anfälligkeit bzw. die Handlungsmöglichkeiten der betroffenen Bevölkerung an. Bangladesch wird als „adaptation capital of the world“ bezeichnet – ein Begriff, der einerseits die hohe Gefahr wiederspiegelt, die von der Natur – und mangelnder Infrastruktur – ausgeht, andererseits deutlich macht, dass die bangladeschische Bevölkerung sehr erfahren und auch flexibel im Umgang mit Krisen ist. 

Eine Zahl mag vielleicht ausdrücken, dass der Klimawandel wirklich eine große Herausforderung für Bangladesch darstellen wird: Bis 2050 werden 35 Millionen Menschen in Bangladesch ihre Wohnorte aufgrund des Klimawandels verlassen müssen. Natürlich ist diese Zahl hochumstritten und man wird auch den komplexen Zusammenhängen von Natur, Politik und Gesellschaft nicht gerecht, wenn man behauptet, Menschen würden wegen des Klimas vertrieben. Aber es ist schon sehr wahrscheinlich, dass Bangladesch durch den Klimawandel hohe wirtschaftliche und menschliche Schäden hinnehmen wird und viele Menschen wegen versalzter Böden und Flusserosion die Landwirtschaft aufgeben müssen. Eine Arbeit in der Stadt ist jetzt schon für viele Menschen in Bangladesch die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen.

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